An Integral Dojo

Aikido und die Integrale LebensPraxis (ILP) nach Ken Wilber

Der Zweck der Aikido Schule Überlingen e.V. ist die Förderung und Verbreitung der Kampfkunst „Aikido“ sowie verwandter Sportarten und Bewegungskünste – insbesondere gewaltfreier Selbstverteidigung – unter besonderer Berücksichtigung der hiermit verbundenen körperlichen Ertüchtigung, der aktiven Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit, der Förderung der Einheit von Körper und Geist sowie der Förderung und Vertiefung der zwischenmenschlichen, interkulturellen und internationalen Verständigung auf der Grundlage der Lehre des Aikido-Begründers Morihei Ueshiba." ---- So steht es in unserer Vereinssatzung.

Damit ist in erster Linie natürlich der körperliche - sportliche - Aspekt des Aikido gemeint. Die "körperliche Ertüchtigung" wie es der Gesetzgeber für die Thematik der Gemeinnützigkeit sinnvoller Weise vorschreibt und die meisten Mitglieder wohl auch genau das mit Aikido verbinden. Gleichzeitig nennen wir aber ganz bewusst auch die "Einheit von Körper und Geist", nähern uns also einem etwas weiter gefassten Begriff des Aikido auf Grundlage der Lehre des Aikido-Begründers Morihei Ueshiba.

Nach dieser Lehre dient das Aikido mehr der Entwicklung des Geistes, geben die Techniken und Übungen dem einzelnen Aikidoka die Möglichkeit, sich selbst als Person, als Mensch zu entwicklen, an GEIST und Seele zu wachsen und die bei Morihei Ueshiba oft genannte "Einheit mit dem Universum" wennn nicht zu erlangen, so doch zumindest anzustreben.

Gleichzeitig bleibt dieser Weg der persönlichen Entwicklung im Aikido genauso unklar wie ein mögliche Sinnhaftigkeit und ein mögliches Ziel. Frei nach dem Motto: "das Training wird dich schon in die richtige Richtung verändern". Eine Veränderung ist tatsächlich immer der Fall. Aber eben immer zufällig und wenig strukturiert.

Die „Techniken“ der Kampfkunst Aikido sind per se in eine umfassende humanistische Philosophie einbetten. Und diese humanistische Philosophie ist wiederum Teil eine umfassenden spirituellen Perspektive, teilt sich hier in die Bereiche Körper, Verstand und GEIST/Seele.

Der Gründer des Aikido, Morihei Ueshiba, bezeichnet diese drei Bereiche als "das Manifeste, das Verborgene und das Göttliche". Das Manifeste ist das Reich der Körperlichkeit und Techniken. Das Verborgene ist das Reich der Prinzipien und Philosophie. Das Göttliche ist das Reich des GEISTes, des Absoluten.

Das ist ein möglicher Entwicklungsrahmen, der das spirituelle Potenzial der Menschen widerspiegelt. Aikido in diesem Rahmen zu trainieren, aktiviert Wachstum und Entwicklung von Körper, Geist und GEIST/Seele.

Um dieser Basis Struktur und Orientierung zu geben, verbindet die Aikido Schule Überlingen e.V. diesen philosophischen Ansatz mit der Integralen Theorie nach Ken Wilber und der darin angebotenen "Integralen Lebenspraxis".


Die Integrale Theorie (IT)

AQALchart12wurde im Laufe der letzten drei Jahrzehnte vom amerikanischen Philosophen Ken Wilber entwickelt.

(Wikipedia.de) "Als integrale Theorie, auch „integrales Denken“ oder „integrale Weltsicht“ genannt, bezeichnet sich eine Schule von Weltanschauungen, die sich um eine umfassende Sicht des Menschen und der Welt, oft auch des Geistigen und Göttlichen ganz allgemein, bemüht. Es handelt sich nicht um einheitliche oder präzise Theorie im engeren Sinne, sondern um einen Versuch, eklektisch verschiedene natur-, human- und geisteswissenschaftliche Ansichten, sowie Elemente prämoderner, moderner und postmoderner, östliche und westliche Weltsichten, und spirituelle Gedanken zu vereinen. In einem engeren Sinn zugehörig sind die Autoren Aurobindo Ghose, Jean Gebser, Johannes Heinrichs und Ken Wilber und deren Schüler. Dabei berufen sich diese auf die Tradition anderer, mehr oder weniger eklektische Autoren wie Lessing, Hegel oder Teilhard de Chardin; eine eng verwandte Theorie ist Spiral Dynamics (-> Amazon-Link: https://amzn.to/2Lwhu3H) von Clark Graves."

https://de.wikipedia.org/wiki/Integrale_Theorie

 

Aikido und die Integrale LebensPraxis (ILP)

Die Integrale Lebenspraxis (ILP) wurde im Integralen Institut in den USA  entwickelt. Den Kern der Praxis bilden vier Module: Körper - Geist/Verstand - Schatten - GEIST/Seele

Für ein aktives, zielgerichtetes Wachstum des Menschen wird die gleichzeitige Arbeit an allen vier Modulen empfohlen. Im Buch Integrale Körperarbeit (-> Amazon-Link: https://amzn.to/2zSx3kF) werden diese und einige Zusatzmodule ausführlich beschrieben.

 

I Modul: Körper - Fitness, Koordination, Beweglichkeit

Das Körpermodul umfasst alles von gesunder Ernährung und Medizin bis hin zu Yoga und Tai Chi - oder eben Aikido.

Selbstverständlich hat jede regelmäßige sportliche Betätigung positive Auswirkungen auf die Körper. Aufwärmtraining, Vorwärts-, Rückwärts-, Seitwärts-Rollen, die Kunst des Freien Falls.  Vielfältig Aikido-Techniken, die mit vielen Auf- und Abs die Fitness fördern

 

II Modul: Geist/Verstand - Komplexität, Gedächtnis, Elastizität

Im Geistmodul geht es um die kognitive Entwicklung und damit das Erlangen umfassenderer Perspektiven. (Das Lesen dieser Beschreibung gehört ebenfalls zum Geistmodul.)

Die hohe Komplexität der Kampfkunst Aikdo, die unendliche Anzahl an Varianten und Möglichkeiten, Techniken auszuführen. Intuition, richtige Präsenz, Aufmerksamkeit, Bewusstheit


 

III Modul: Schatten / Persönlichkeit - Integrität, Interaktion

Im Schattenmodul geht es darum, unbewussten Persönlichkeitsteile (Schatten) an die Oberfläche zu bringen und zu integrieren. Die unbewussten Anteile unserer Persönlichkeit können wir nicht wahrnehmen – sie sind vollkommen unterdrückt. Das Schattenmodul ist von besonderer Bedeutung, da Schatten im schlimmsten Fall die ganze Praxis des Aikido sabotieren können, ohne dabei bemerkt zu werden.

Persönlicheit: Höflichkeit, Etikette, Respekt, Commitment, Durchhaltevermögen, Arbeit mit wechselnden Partnern. sich in den Partner - nicht Gegner - einfühlen - die Perspektive des Partners einnehmen

 

IV GEIST/Seele - Entspannung,

Das Spiritmodul (manchmal auch GEIST-Modul) kümmert sich neben der spirituellen Entwicklung, besonders um das Erwachen und das Realisieren des Bewusstseins als höchste und einzige Realität. In der Praxis bedienen wir uns der Meditation, spiritual Inquiries, kontemplativem Gebet und mehr.

Der sprituelle Aspekt des Aikdios wird leider sehr oft vernachlässigt. Verbindung von Universums und Person…

Mediation zu Beginn zum Ende, Aikido als „Mediation in Bewegung“ Meditation ein wesentlich Bestandteil des Aikido und der täglichen Lebensroutine. Meditation als ein nach Innengehen oder Innehalten, als Weg, dem Stress des Alltages entgegen zu wirken. Meditation hat ihre Tradition im fernöstlichen Sinn durch stilles Sitzen und im westlichen Sinne durch geistige Übungen und Gebete (Kontemplation)

 

 

Wenn Aikido mehr ist als reine Kampfkunst, reine Kampftechnik und tatsächlich den geistigen Rahmen schaffen soll, in Konflikten anders zu denken und anders zu handeln, dann braucht es noch etwas mehr, etwas anderes an Trainingsinhalten als  die reinen Techniken.  Für Morihei Ueshiba ("O-Sensei") war die Verbindung der eigenen Lebensenergie mit der Lebensenergie des Universums ein wesentliches Element des Aikido.

Aikido kann ein spiritueller Weg zur Entwicklung des eigenen Menschseins darstellen - man kann aber auch ganz einfach die Techniken des Aikido trainieren - ohne viel Schnickschnack und Philosophie. Vielleicht ganz am Schluß zu betonen: Das hat nichts, aber auch gar nichts mit der Ausübung irgendeiner wie auch immer gearteten Religion zu tun!

Die Aikido Schule Überlingen e.V. versucht, sich hier einen Leitfaden zum strukturierten Aufbau einzelner Lehrinhalte zu setzen.

Den Mitgliedern KANN(!) - sofern individuell gewünscht(!) - ein Orientierungsrahmen in der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit geboten werden.


Aikido ist vollkommen verschieden von den anderen Kampfkünsten.  Die meisten von ihnen wurden zu Wettkampfsport und ihr einziges Ziel ist der Sieg. Siegen oder verlieren oder sich in der Technik messen ist nicht das wahre Budo. Wahres Budo kennt keine Niederlage. --- Morihei Ueshiba